Nationaler Entwicklungsplan Regenerativer Flugkraftstoffe

Regenerative Flugkraftstoffe sind gegenüber fossilem Kerosin preislich noch nicht konkurrenzfähig. So liegt der Preis für nachhaltige Kraftstoffe auf Basis aktueller Pflanzenölnotierungen ca. 50 % über dem Preis für fossiles Kerosin.

Um schnellstmöglich wettbewerbsfähige Preise zu erzielen, ist ein von der Bundesregierung unterstützter „Nationaler Entwicklungsplan Regenerativer Flugkraftstoffe“ erforderlich. Dieser sollte im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) umgesetzt werden und folgende Kernpunkte enthalten:

Sicherstellung der Rohstoffversorgung

Der Rohstoffversorgung kommt eine wachsende Bedeutung zu. Das hat auch die Politik erkannt: Im Bereich der fossilen Rohstoffe flankiert sie seit 2010 Projekte zur Sicherung der Rohstoffversorgung durch die Deutsche Rohstoffagentur (DERA).

Der Anbau von Biomasse wird bislang noch nicht einbezogen. Der Aufgabenbereich der DERA sollte dringend erweitert werden und künftig auch für Biomasse-Projekte ähnliche Förderprogramme und Investitionsgarantien umfassen, wie es bei fossilen Versorgungs-Projekten der Fall ist. Dazu gehört eine Pilotierungsgruppe, die Versuchsvorhaben identifiziert, organisiert und finanziert. Begleitend sollten Regierungsabkommen Anbau- und Exportkriterien festlegen. Im Ergebnis würden damit ausbaufähige Bioenergieprojekte für eine nachhaltige Nutzung erschlossen und das Investitionsrisiko minimiert.

Mögliche Struktur und Kompetenzen des DERA-Bioenergieprojektteams:

Potenzial von Raffinerien zur Verarbeitung erneuerbarer Ressourcen ausloten

In Deutschland existiert bislang keine Raffinerie, die nachhaltiges Kerosin herstellen kann. Die Einrichtung entsprechender Produktionsanlagen ist dringend notwendig, um eine verlässliche Kraftstoffversorgung sicherzustellen und das Potenzial des entstehenden Weltmarkts zum Vorteil der deutschen Industrie nutzen zu können.

Die hierfür notwendigen Investitionen sind allerdings sehr hoch. Aus diesem Grund ist eine umfassende Analyse der infrage kommenden Standorte notwendig. Nur so können die bestehenden Raffineriestandorte auf ihre Eignung für einen Um- oder Ausbau zu einer Raffinerie zur Verarbeitung nachhaltiger und erneuerbarer Rohstoffe geprüft werden. Die Standortanalyse bietet außerdem die Chance, den Nutzen für die heimische Volkswirtschaft zu bewerten und Potenziale für Arbeitsplätze, Technologieexport und die Unabhängigkeit von Produktimporten aufzuzeigen. Nicht zuletzt kann sie Vorschläge für geeignete Betreibermodelle und Verwertungsoptionen der Nebenprodukte unterbreiten.

Eine solche Studie sollte umgehend als Teil des Nationalen Entwicklungsplans Regenerative Flugkraftstoffe erstellt werden. Die Ergebnisse sollten in die MKS einfließen.

Finanzierung der Raffinerien sicherstellen

Die Studienergebnisse wären bereits ein wichtiges Kriterium für Investoren. Sie reichen aber bei weitem nicht aus, um die erforderlichen Kosten zu decken. Deshalb kommt es auf eine weitergehende Flankierung der Vorhaben durch die Politik an. Hierfür gibt es bereits übertragbare Beispiele, zum Beispiel das Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums – es unterstützt seit Jahren umwelttechnologische Pilotvorhaben erfolgreich.

Ein Förderprogramm „Bioraffinerien“ der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sollte sich hieran orientieren und beispielsweise ebenfalls Investitionszuschüsse von 30 % gewähren sowie zinsgünstige Kredite für die übrigen 70 % zur Verfügung stellen. Bereits heute könnte so mit dem Bau einer großindustriellen Raffinerie zur Verarbeitung erneuerbarer Ressourcen begonnen werden.

Eine entsprechende Anlage auf HEFA-Basis erfordert Investitionen von ca. 600 Millionen bis einer Milliarde Euro. Sie könnte jährlich einen Output von ca. 800.000 Tonnen regenerativem Kerosin, Diesel und Naphtha produzieren. Um eine zehnprozentige Beimischung im Jahr 2025 zu erreichen, sind allerdings mindestens zwei solcher Anlagen erforderlich. Der Investitionszuschuss durch die KfW müsste daher insgesamt zwischen 360 und 600 Millionen Euro betragen.