EU Erneuerbare Energien-Richtlinie (RED)

Die Renewable Energy Directive (RED) der EU zählt zu den wichtigsten Nachhaltigkeitsbestimmungen, welche die Produktion von Kraftstoffen aus erneuerbaren Ressourcen betrifft. Sie verknüpft das verbindliche Ziel, bis 2020 im Verkehrssektor 10 % des Kraftstoffs aus erneuerbaren Ressourcen zu beziehen mit weiteren Nachhaltigkeitskriterien. Diese erstrecken sich unter anderem auf Vorgaben zum Rohstoffanbau und dem CO2-Minderungspotenzial.

Notwendige Harmonisierung der Nachhaltigkeitsstandards

International geltende Rahmenbedingungen sind notwendig, um die Vergleichbarkeit und somit die Anerkennung der Nachhaltigkeit eines Kraftstoffes aus erneuerbaren Ressourcen für den Luftverkehr weltweit zu ermöglichen. Hierbei sollten ökologische wie auch ökonomische und soziale Aspekte erfasst werden. Die Empfehlungen der von den G8-Staaten initiierten Global Bioenergy Partnership (GBEP) oder die Nachhaltigkeitskriterienkataloge und Zertifizierungsprozesse des RSB (Roundtable on Sustainable Biofuels) und der ISCC (International Sustainability & Carbon Certification) und des RSB (Roundtable on Sustainable Biofuels) können als Beispiele herangezogen werden, wie ein international geltender Nachhaltigkeitsstandard aussehen könnte.

aireg prüft im Austausch mit den genannten Institutionen, wie dies international erreicht werden kann. Auch die Bundesregierung sollte sich zukünftig für weltweit gültige Nachhaltigkeitsstandards einsetzen. Die UN-Luftfahrtbehörde ICAO sollte diese Nachhaltigkeitsstandards im Ergebnis für verbindlich erklären.

ISCC-Nachhaltigkeits Zertifizierungssystem

aireg plädiert für weltweit gültige Nachhaltigkeitskriterien für Kraftstoffe aus erneuerbaren Ressourcen, die den gesamten „Lebenszyklus“ – vom Anbau bis zum Verbrauch – umfassen. Diese müssen operationalisiert und verlässlich überprüft werden. Entsprechende Zertifizierungssysteme bestehen bereits, wie zum Beispiel das ISCC oder REDcert in Deutschland.

Folgende Übersicht umfasst die aus Sicht von aireg wesentlichen Kriterien der aktuellen Nachhaltigkeitsbestimmungen und zudem weitere soziale und ökologische Kriterien.

Ökologie

Soil
Good farming practice,
soil management,
soil protection

Die gute landwirtschaftliche Praxis basiert auf dem Nachhaltigkeitsprinzip. Sie integriert Boden-, Wasser- und Luftschutz in die landwirtschaftliche Bewirtschaftung und wird anhand von Bodenverwaltung und Bodenschutz spezifischer behandelt. Der Schutz des Bodens beinhaltet den Schutz der Bodenorganismen, den Erhalt eines ausgeglichenen Nährstoffhaushalts sowie das Verhindern der Zerstörung der Bodenstruktur. Alle Maßnahmen zum Schutz des Bodens sind immer in Abhängigkeit von Bodentyp, Klima und Topographie abhängig.
Preservation of above/
below ground carbon
Bodenkohlenstoff befindet sich im organischen Bodenhorizont in Form von Streu, Pflanzen, Humus,Torf usw. Stark organisch geprägte Böden wie Moore, Feuchtwiesen sollten aufgrund ihrer Klimarelevanz vor Umbruch geschützt werden. Dieses Kriterium umfasst aber neben dem Schutz einiger Flächen auch den Erhalt/Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit innerhalb der bewirtschafteten Fläche. Diese umfasst zusätzliche Kriterien, wie z.B. Düngung, Erosion, Pflug, die Entnahme von Reststoffen vom Feld (Stroh) etc. Um den Kohlenstoffgehalt im Boden zu schützen, müssen einige Böden von der Bewirtschaftung ausgeschlossen werden.
Use of agrochemicals
Der Umgang mit Agrochemikalien, von der Lagerung, über die Anwendung bis hin zu den Auswirkungen auf die Böden, muss die vorherigen Kriterien zum Schutz des Bodens und der Biodiversität erfüllen. Hinzu kommt das Einhalten von lokalen Verordnungen und Gesetzen zur Anwendung von Chemikalien.
Water
sustainable water use
Beinhaltet Wassermanagement, effiziente Wassernutzung, Conservation und Wasserqualität, d.h. Maßnahmen zur Planung einer umweltverträglichen Wasserversorgung, Identifizierung von Problemen, dem Umgang mit den Problemen und dem Monitoring.
AirGHG emissions
Zur Berechnung der Treibhausgase muss die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet, d.h. eine Life-Cycle-Analyse durchgeführt werden. Somit hängt dieses Kriterium stark mit anderen Kriterien zusammen, so z.B. mit "direct land use change", "indirect land use change" oder der "site history".
Air pollution,
no burning for land clearing,
residues burning
Luftqualität durch Ausschluss/Einschränkung von Verschmutzung muss gesichert werden. Die Kontrolle kann durch Ökobilanzen erfolgen. Lokale Verordnungen und Gesetze zur Verbrennung von Reststoffen auf den Landflächen, z. B. bei Zuckerrohr, sind einzuhalten.
Transformation
dLUC
Die Betrachtung der Einflüsse auf Nutzflächen durch den Anbau von Energiepflanzen in Abhängigkeit der vorherigen Nutzung dieser Flächen (Wald, Weide- oder Brachland).Dies wird unter auch in den Kriterien "site history", "Biodiversity", "GHG emissions", "land right issues" mit berücksichtigt.
iLUC 
Indirekte Einflüsse auf schützenswerte Flächen durch den Anbau von Energiepflanzen auf Nutzflächen, die bisher für den Nahrungsmittelanbau genutz wurden, müssen beachtet werden. Das schließt auch indirekte Verdrängungseffekte ein, die entstehen, wenn der Nahrungsmittelanbau nun auf zuvor ungenutze Flächen ausweicht. Da eine EU-Vorgabe noch nicht vorliegt, ist die genaue Betrachtungsbreite noch nicht möglich.
Site history
Die Gebiets-Historie ist essenziell um sicherzustellen, dass Anforderungen wie die des "No-Go-" Kriteriums, erfüllt werden. Entscheidend ist hier der veranschlagte relevante Zeitraum der als Historie betrachtet wird. Der Zeitraum kann 5-10 Jahre umfassen und wird bspw. anhand des Stichtages 1.1.2008 in der Biokraftstoffnachhaltigkeitsverodnung ermittelt.
Environmental impact
assessment

Die Bewertung von Umweltauswirkungen ist ein wichtiger Bestandteil bei der Erfassung der ökologischen Nachhaltigkeit. Als Werkzeug dient dazu die Umweltverträglichkeitsprüfung von konkreten Projekten (z.B. Neuprojekten oder Anlagenzertifizierungen bestehender Projekte).
High conservation value areas,
natural habitats,
ecosystems,
high biodiverse land,
native,
endangered species

Dieses Kriterium kann aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden. Einerseits bezieht es sich auf die Bewirtschaftung bereits landwirtschaftlich genutzter Flächen, für die unter anderem das Kriterium der "guten landwirtschaftlichen Praxis" gilt. Andererseits sind Flächen im Fokus, die gemäß ihrer Historie landwirtschaftlich noch nicht genutzt wurden und deren Umbruch nun als Landnutzungsänderung bewertet werden muss. Ein HCV assessment (high conservation value assessment) würde all diese Blickwinkel betrachten, um bspw. no go areas zu identifizieren.
Biodiversity
 
Biodiversity,
invasive species

Besonders schützenswerte Flora und Fauna müssen definiert und entsprechend eingestuft werden.
GMO
Organsimen, deren genetisches Material mittels Gentechnik verändert wurde, müssen definiert und gekennzeichnet werden.

Ökonomie

Economic Aspects
Economic performances, energy efficiency, energy balanceÖkonomische Stabilität der Unternehmen ist durch einen ressourcenschonenden Umgang zu sichern. Dazu umfassen Energiebilanzen die Berechnungen entlang der gesamten Produktionskette.
Economic benefits to communityDieses Kriterium hebt auf den gesellschaftlichen Mehrwert, z. B. durch Einstellen von lokaler Bevölkerung oder Ankurbeln der lokalen Märkte ab. aireg legt die Millenium Development Goals der UN zugrunde und unterstützt die ökonmische/finanzielle Entwicklung.

Soziales

Social AspectsSocial Impact
Assessment
Soziale Aspekte im Zusammenhang der gesamten Wertschöpfungskette müssen ganzheitlich betrachtet werden. Die Betrachtung beinhaltet die Analyse, das Management und die Überprüfung von positiven und negativen Konsequenzen.
Consultation of local
stakeholders
Die relevanten lokalen Interessengruppen müssen in den Gesamtprozess der Wertschöpfungskette einbezogen werden.
Food SecurityDie Versorgungssicherheit der Gesellschaft mit Nahrungsmitteln steht an erster Stelle. aireg distanziert sich klar davon, Energiepflanzen zu verwenden, bei deren Anbau und somit Nutzung landwirtschaftlicher Flächen ein Wettbewerb zu lokaler/bestehender Land- und Wassernutzung entsteht.
Social benefits
to community
Die vorherrschenden sozialen Standards dürfen nicht beeinträchtigt werden. Zum möglichen sozialen Mehrwert zählen eine medizinische Versorgung, Sozialeinrichtungen und die Mediation bei sozialen Konflikten.
Human rightsDie Menschenrechte sind Grundlage jeglichen Handelns. aireg bezieht sich auf die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen.
Water rightsDie Wassernutzung darf dem Wasserschutz und dem Zugang lokaler Bevölkerung zu Grundwasser nicht entgegen stehen. Offizielle Gesetze zum Wasserrecht und Gewohnheitsrecht sind einzuhalten.
Land right issuesSoziale Betrachtung der Einhaltung von Landrechten durch informelle und formelle Verträge, die rechtmäßige Besitz- oder Pachtverhältnisse klären.
Labour ConditionsWorking conditionsDie allgemeinen Arbeitsumstände sind im Sinne der Arbeitnehmer sicherzustellen. aireg bezieht sich bei diesem Kriterium insbesondere auf die international ratifizierten Konventionen der International Labour Organization (ILO).

Governance

Compliance
Das Handeln in Übereinstimmung mit geltenden Vorschriften.