Der Markt für nachhaltiges Kerosin braucht die Quote

Anlässlich der am 17./18. Oktober 2019 in Berlin stattfindenden internationalen aireg Konferenz zu nachhaltigen Flugkraftstoffen schlägt aireg die Einführung einer THG-Minderungsquote durch nachhaltige Flugkraftstoffe vor.

Im globalen Maßstab sind heute ca. 70.000 Tonnen nachhaltigen synthetischen Kerosins verfügbar, das jedenfalls ergab eine Bestandsaufnahme der ICAO vor wenigen Monaten, und für das Jahr 2030 sagen die Prognosen aus heutiger Sicht eine globale Verfügbarkeit von etwa 7 Millionen Tonnen nachhaltigen Kerosins voraus. Setzt man diese Mengen in Relation zum weltweiten Kerosinmarkt von nahezu 300 Millionen Tonnen, wird die große Herausforderung offenkundig, vor der Luftfahrt, Mineralölindustrie, Forschung und damit letztlich die Politik stehen, wenn es um Klima- und Umweltschutz im Luftverkehr geht. Die Substitution von fossilem Kerosin durch biogene und strombasierte nachhaltige Alternativen ist nach Expertenmeinung die wohl entscheidendste Maßnahme, zumal weitere klimagasreduzierende Möglichkeiten in der Vergangenheit bereits in einem erheblichen Ausmaß erschlossen wurden und zukünftige technisch erschließbare Effizienzpotenziale langsam an ihre Grenzen kommen.

Das prognostizierte Wachstum des Luftverkehrs aber wird die Nachfrage nach Kerosin weiter steigen lassen. Ohne eine wirkungsvolle Erhöhung der Produktionsmengen und Nutzungsanteile nachhaltiger Flugkraftstoffe, z. B. durch Skaleneffekte oder das noch ausstehende Durchlaufen technologischer Lernkurven, können merkliche Kostenreduktionen nicht erreicht werden; dadurch kann sich ein wachsender Markt für diese Kraftstoffe nicht entwickeln (Henne-Ei-Problem). Airlines können zwar synthetisches Kerosin nutzen, um ihre Verpflichtungen aus EU ETS/CORSIA zu reduzieren, aber als Lenkungsinstrumente für eine Markteinführung nachhaltiger Flugkraftstoffe sind beide Instrumente in der momentanen Konzeption untauglich. Um merkliche Nutzungsanteile nachhaltiger Flugkraftstoffe zeitnah zu erreichen, werden deshalb zusätzliche Lenkungsmaßnahmen benötigt. Hierfür eignen sich insbesondere staatliche vorgeschriebene Quoten, die für den Klimaschutz im bodengebundenen Verkehr bereits probate Wirkmechanismen darstellen und seit vielen Jahren eingeführt sind.

Kay Kratky, aireg Präsident Industrie und Luftfahrt, stellt dazu fest: „Ich bin davon überzeugt, dass nur eine konsequente europäische Quotenregelung für den Einsatz nachhaltiger synthetischer Flugkraft-stoffe den notwendigen Anreiz schafft: für die Produzenten sorgt es für die erforderliche Investitions-sicherheit und den Fluggesellschaften ebnet sie den Weg, die ambitionierten Klimaziele bis 2050 erreichen zu können. Damit das in der Europäischen Union auch zügig angegangen wird, sollte Deutschland dem Beispiel skandinavischer Länder folgen und sich die derzeit auch in Frankreich und Spanien angestellten Überlegungen zu eigen machen. Für den innerdeutschen Flugverkehr würde eine Quote von 20% im Jahr 2030 die überschaubare Menge zwischen 130.000 und ca. 250.000 Tonnen (je nach Technologieroute) nachhaltigen synthetischen Kerosins bedeuten. Eine klare und handhabbare Anrechnung und Verrechnung der THG Einsparungen ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche industrielle Marktdurchdringung.“

In diesem Zusammenhang hat aireg in mehreren Workshops eine Produktions- und Kommerziali-sierungs-Roadmap für nachhaltiges synthetisches Kerosin erarbeitet, die nach Erörterung und Verabschiedung in der aireg Mitgliederversammlung am 11. November 2019 veröffentlich wird.

 

Über aireg e.V.:
aireg – Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany e.V. wurde 2011 als Verbund von Unternehmen und Organisationen aus Industrie, Forschung und Wissenschaft gegründet. Als gemeinnützige Initiative setzt sich aireg für die Verfügbarkeit und Verwendung von erneuerbaren Energien in der Luftfahrt ein, um die ehrgeizigen CO₂-Minderungsziele der Luftverkehrswirtschaft zu erreichen. Die Mitglieder kommen aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette regenerativer Energien für die Luftfahrt: Dies reicht von der Forschung an Universitäten und Großforschungseinrichtungen, Anlagenherstellern und Anlagenbetreibern, Bioraffinerien, der Mineralölwirtschaft, Antriebs- und Flugzeugherstellern, Regierungsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und Flughäfen bis zu Fluggesellschaften. Die industriellen Mitglieder decken international die Bandbreite vom Start-up bis zu Großkonzernen ab.

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